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Ein Kunstwerk von höchstem Rang ist die Kanzel der Wieskirche. Voller Geist und Leben, sichtbar gewordener pfingstlicher Sturmwind im wehenden Vorhand, herabstürzende Fluten als Wasser des Lebens aus dem Geist. Eine Kanzel gestaltet und geformt zu einem aus Stuck lebendig gewordenen Forum zur Verkündigung des Wortes Gottes.
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Gedanken zur
Urlaubszeit
von Prälat Georg Kirchmeir
Im Jahr kommen 1 Million Besucher in die Wieskirche, dem
Rokoko-Juwel des Pfaffenwinkels, Weltkulturerbe der Unesco, Wallfahrtskirche
zum Gegeißelten Heiland auf der Wies. Die Kirche ist jeden Tag elf Stunden
geöffnet - und da strömen sie, die Menschen aller Rassen und Religionen! Wir
verlangen keinen Eintritt, keiner fragt nach dem "Gebetbuch" - Jedermann ist
willkommen!
Was suchen so viele Menschen in dieser Kirche?
Der amerikanische Mediziner Dale A. Matthews empfiehlt in
seinem bemerkenswerten Buch: "Glaube macht gesund" unter 12 Medikamenten aus
der "Arzttasche Gottes" (z.B. neben Gleichmut, Vertrauen, Liebe usw.) das
Heilmittel "Schönheit" - dies kann man in der Wieskirche wahrlich erleben: die
wunderbaren Formen und Farben, das Gold, das Licht... "Rokoko vom Feinsten" -
und dann noch eine herrliche Mozart-Messe: das ist ein Stück Himmel auf Erden,
das ist einfach schön, das tut gut.
Unter
den empfohlenen Medikamenten für die Gesundheit an Leib und Seele findet sich
auch das Mittel "Transzendenz", d. h. die Erfahrung des Übernatürlichen, die
Sehnsucht nach Gott. Die Religion, der gelebte Glaube erinnert uns an die
transzendente Dimension unseres Daseins und spricht von einem Gott, dessen
Größe, Allmacht und Liebe weit über unsere alltäglichen Sorgen und Nöte
hinausreichen und wir sind eingeladen - gerade auch in der Zeit der Erholung -
mit dieser unendlich großen, heiligen Wirklichkeit in Gebet und Gottesdienst in
Kontakt zu treten.
In zahlreichen Begegnungen und Gesprächen mit den vielen
Menschen, die in die Wieskirche kommen, stelle ich fest: es gibt ein
Renaissance der Religionen - konkret zum Beispiel: ein Aufleben der Wallfahrt!
Immerhin kommen im Jahr 200 Wallfahrtsgruppen zu Fuß in die Wies (z.B. 1000
junge Leute bei der Jugendwallfahrt) - und die Zahl ist im Steigen! Mögen die
Kirchenbänke in den Dorf- und Stadtpfarreien immer leerer werden, die
Wieskirche wird immer voller!
Und mitten unter der einen Million (Touristen) Besucher ist
der "anonyme" Wallfahrer: Menschen, die - nicht nur im Urlaub - existenziell
"unterwegs" sind auf den oft holprigen Strassen des Lebens, Menschen, die
suchen und fragen nach dem Echten, Wahren und Schönen; Menschen, die suchen und
sich sehnen nach Gott; Menschen, die Einkehr halten im Gotteshaus und beten.
In unserer schönen Wieskirche zeugen Votivtafeln, Krücken,
verzierte Kerzen und vor allem Eintragungen in unserem Gästebuch von
Verzweiflung, Not und Elend, aber auch von Dankbarkeit und guten Erfahrungen.
Hinter jeder Votivtafel steckt eine Lebensgeschichte, die vertrauensvoll - oft
"unterstützt" mit einer Kerze - dem Gnadenbild, dem Gegeißelten Heiland, der
selbst voller Tränen und Wunden ist, in die Hände gelegt wird.
Oft
legen Besucher anonym Bitt- und Dankgebete in den Seitenumgang, manchmal aufZettel gekritzelt, manchmal als kleines "Kunstwerk" gestaltet. Vor ein paarMonaten fand ich ein gerahmtes Bild, das Foto von einem kleinen Baby mit einem
Beatmungsschlauch im Mund. Daneben die Zahl: 765 g (also ein "Frühchen") und
das Bild eines prachtvoll geratenen Buben, darunter steht: "Danke, lieber Gott
- dass unser viel zu früh geborener Sohn Lukas so ein tolles Kind geworden
ist".
Das
Kostbarste, das wir haben, sind unsere Kinder - und es bewegt mich immer wieder
neu, dass hier in der Wies gedankt wird für das Leben, für Kinder: Ein Geschenk
des Himmels.
Vielleicht halten wir hin und wieder auf der (Urlaubs)-Fahrt
unseres Lebens bei einer Kirche an, kehren (auch bei uns selber) ein und sagen
"Danke" - danke, lieber Gott, dass uns das Leben mit all seinen Sorgen und
Nöten, aber auch mit all seiner Freude und dem Schönen geschenkt ist.
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