Bruderschaftsfest in der Wies 2021 Rückblick

Ein glückliches Leben in einer tiefen Verbindung mit Gott zu führen und anderen zu helfen, auch glücklich zu sein. Der spirituelle Reichtum leuchtete in dem von den Prämonstratenser Chorherren der ehemaligen Abtei Steingaden erbauten „Thronsaal Gottes“ einmal mehr auf beim wohl ursprünglichsten Wiesfest. Gerade jetzt, wenn um die Mitte des Herbstes mit dem Nebel – wie am vergangenen Sonntag – die Ruhe wieder einzieht, erlebten dies die Gottesdienstbesucher besonders innig bei einer zu Herzen gehenden Musik. Mit der „Missa brevis a tre“ von dem 1964 geborenen Joachim Schreiber hatte Kristina Kuzminskaite einmal mehr ein glückliches Händchen. Ein für die heutige Zeit festlich und zugleich meditativ komponiertes Werk, brillant dargebracht vom Wies-Ensemble. Eindrucksvoll der Einzug des Altardienstes, begleitet von Mitgliedern mit den Bruderschaftsstangen unter Klängen der Wildsteiger Bläser. „Jesus lebt, mit ihm auch ich“, sangen die Gläubigen frohen Herzens und ließen den Funken der Begeisterung überspringen auf die vielen Mitchristen, die Corona bedingt über den YouTube-Kanal der Wies live dabei waren. Die Prämonstratenser feiern heuer ihren 900. Geburtstag und da freute es Florian Geis, den neuen Präses der Bruderschaft zum Gegeißelten Heiland ganz besonders, dass „wir hier in Steingaden“ die Beziehung zu diesem Orden, unsere Wurzeln pflegen. Neben Abt Raimund Schreier standen Florian Geis, sein Vorgänger Gottfried Fellner, Pfarrer Torsten Weber aus Hamburg und Diakon Armin Eder am Altar. Am weitesten war Hans Kast aus Santiago de Chile vom Kinderkrankenhaus in Coaniquem angereist. Auf den reichen Schatz an Spiritualität und Lebensweisheit, den die Kirche zu bieten hat, ging Abt Raimund Schreier in seiner Predigt ein. Heute verstehen die Menschen unter Glück eher Wohlstand und Vergnügen, so dass wir inzwischen von einer Spaßgesellschaft reden. Es gelte jedoch den wahren Schatz der christlichen Frohbotschaft glaubwürdig schmackhaft zu machen. Als wichtigsten Garant unseres Glücks stellte Abt Raimund Schreier die Gottes- und Nächstenliebe heraus: „Wenn wir wiederentdecken, dass Gott unser Glück ist, dass wir von ihm geliebt sind, dann können wir auch andere Menschen lieben und für sie da sein“. Das zweite Geheimnis ist die Zufriedenheit und nicht das ungebremste Habenwollen und hemmungslose Genießen wollen. Versuchen glücklich zu sein mit den eigenen Möglichkeiten. Und schließlich: „Das Glück liegt in den kleinen Dingen, die du jeden Tag zum Greifen nahe hast: Deine Familie, Freunde, Gesundheit, die Natur, die Sonne und der Regen, die Blumen, das Wasser, das bei uns in Fülle fließt, der äußere Frieden. Genieße, was du hast und warte nicht auf morgen, um glücklich zu sein“. Das heißt auch, auf manches verzichten. Wir müssen nicht alles haben, was wir uns wünschen.

Gerhard Heiß

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