Predigt zum 3. Fastenfreitag 2021

Jesus überbringt den armen die Frohe Bodschaft

3. Fastenpredigt am 05.03.2021 Wieskirche

Wegmarkierungen auf dem Pilgerweg des Glaubens: "Jesus Christus – und seine einzigartige Bedeutung“

Liebe Schwestern und Brüder auf dem Pilgerweg des Glaubens!
Unseren Glauben möchte ich vergleichen mit einem Riesenhaus - „Glaubensgebäude“ - mit vielen Räumen, Zimmern, Ecken, Gängen und Treppen. Nicht alle Räume sind gleich wichtig. Daher ist die Frage bedeutsam:

  • Was ist das Wesentliche an unserem Glauben - das bleibend Gültige - das ständig Verpflichtende?
  • Was ist das Unverzichtbare am Christentum?

Das Entscheidende an unserem Glauben ist nicht die Kirche, sind nicht die Dogmen, auch nicht bestimmte moralische Lehrsätze oder Rituale, die uns von anderen Religionen unterscheiden…
Das Entscheidende an unserem Glauben ist eine Person, ist Jesus Christus –   u n d  unsere Beziehung zu ihm. Alles andere ist Konsequenz, Auswirkung….
Jesus Christus (Wir nennen uns nach ihm Christen) ist unser Ursprung. Er ist die Wurzel von allem.  (nach Hans Küng)
Die Frage ist nur: Kann ich das aushalten?
Für uns ist Jesus Christus einzigartig. Für Moslems Mohamed - und wir begegnen dieser Überzeugung mit Wertschätzung!

  • Wer ist Jesus Christus für mich?
  • Was würde es für mich bedeuten, Jesus Christus zu sagen, er könne mein Leben haben und damit tun, was er will?

Mir scheint: das ist unser Problem: Viele in unserem Land hat diese Botschaft unseres Glaubens noch nie im Herzen erreicht. Ja, sie haben davon gehört, aber so, als wären da nicht sie selbst gemeint. Das dürfte eine der bedeutsamsten Stunden in unserem Leben sein: wo wir anfangen, das für uns selbst gelten zu lassen: dass Jesus Christus die entscheidende Gestalt ist für unser Leben! Wir spüren aber, dass das für uns nie ganz erreichbar ist, deswegen sollten wir uns nicht entmutigen lassen – es ist ein lebenslanger Prozess. Gott wird uns beistehen!

  • Spürst Du manchmal die Sehnsucht: Ich möchte so mit Christus verbunden leben, dass von ihm Gutes in mein Leben kommen kann?
  • Ahnst Du, dass er es wert wäre, dass man ihm mehr Platz einräumt, mehr Raum im eigenen Leben? Dass es Sinn hätte, ihn vom Rand meines Lebens mehr in die Mitte zu nehmen – ihn, der uns alles schenkt – das Leben in jedem Augenblick?

Ganz in Freiheit bin ich eingeladen, diese wichtige Entscheidung für mein Leben zu treffen:

  • Ich lasse es für mein Leben als gesichert gelten, dass Jesus Christus die zentrale Gestalt dieser Welt ist.
  • Ich entscheide mich dafür, Jesus Christus als die Schlüsselfigur meines Lebens zu sehen.
  • Ich gehe ab jetzt davon aus, dass sich an meiner Einstellung zu ihm alles entscheidet.
  • Ich gebe Jesus Christus/Gott den Platz, die Rolle in meinem Leben, die ihm zusteht.

Was hindert mich eigentlich, einen solchen Herzensschritt bewusst zu tun?
Welche Fragen, Sorgen tauchen da auf? Wer/was könnte mir dabei eine geistliche Hilfe sein?

„Sobald du dich mit Jesus auf den Weg machst,
wird er Spuren hinterlassen in deinem Leben, in deiner Seele.
Du wirst nie wieder so sein wie vorher.
Mit ihm zusammen wirst du dir selber auf die Spur kommen und dein Menschsein entfalten, wie du es nie zu träumen gewagt hast.
Einfach wird der Weg nicht immer sein – auch das wirst du schnell feststellen. Aber du wirst erfahren: in Seinen Fußstapfen lohnt sich das Leben“.

(Petra Würth)

 

Predigt zum 2. Fastenfreitag 2021

Das Lamm Gottes über dem Hochaltar

„Wegmarkierungen auf dem Pilgerweg unseres Glaubens - Ein neues, weites Gottesbild“

Liebe Schwestern und Brüder auf dem Pilgerweg des Glaubens!

Fasziniert haben wir in den letzten Tagen die Landung eines Roboters auf dem Mars, mit der Übertragung von Bildern der Oberfläche des Mars, sogar Töne vom Mars, am Fernsehschirm verfolgen können. Einfach faszinierend!
Da entdecken wir in der Naturwissenschaft, wie sich das Bewusstsein des Menschen ändert, wandelt. So um 1900 brach die bisherige Sichtweise der Welt zusammen. Die Entdeckungen von Einstein, Schrödinger, Eddington und Nils Bor haben die klassische, bisherige Physik bis in ihre Grundfesten erschüttert. Diese Quantenphysiker, wie wir sie nennen, entdeckten, dass die Wirklichkeit nicht aus einer Ansammlung getrennter Dinge besteht, sondern dass alle Dinge und Ereignisse im Universum miteinander in Verbindung stehen. Sie entdeckten: Die Welt ist ein einziges, riesiges, universelles Kraftfeld! Alles, was ist, ist auf geheimnisvolle Weise miteinander verbunden (wir mit allen Menschen – mit der Natur). Die Physiker sagen: Es gibt keine feste Materie! Alles ist in Bewegung, in Schwingung: der Tisch, der Baum, das Tier, der Fels…
Es gibt keine genau abgegrenzten Einzeldinge, sondern im Grund geht es um ein System von Beziehungen- ein Netzwerk!
Zwischen den Dingen und Ereignissen im Universum gibt es keine Grenze. Jede Einheit auf der Welt durchdringt jede andere - und umgekehrt! Alle Gegenstände im Kosmos sind einfach verschiedene Ausformungen, Manifestationen einer einzigen ENERGIE! Jeder einzelne Mensch ist ein einmaliges Exemplar des Kosmos, eine einzigartige Ausformung einer einzigen Energie. Die Quantenphysiker sprechen von der „Hintergrundenergie“. Sie meinen damit den Ursprung, Urgrund, aus dem alles, was ist, kommt = das „leitende Prinzip“, das jedes Sein gestaltet. Das, was die Wissenschaftler entdeckt haben, verändert ganz stark unsere Sicht auf das Universum, auf unsere Erde und die Natur, die uns umgibt mit all den Geschöpfen (Mitmenschen, Pflanzen, Tieren…)
Vielleicht erahnen wir auf einmal ganz neu, wie bedeutungsvoll schon immer die Botschaft der Religionen war.Können wir als Christen nicht ganz neu Christus oder den Hl. Geist als diese Kraft sehen, die alles hält und trägt, bewegt und belebt? Paulus schreibt im Kolosserbrief über Christus: „Alles ist durch ihn und auf ihn hin geschaffen!“ Dann lebten wir doch dann erst richtig, wenn wir Menschen mit dem in Verbindung leben, dem wir Menschen von unserem tiefsten Ursprung her gehören und der das eigentliche Ziel unseres Daseins ist!
Aber was ist mit dem „Bösen“?
Es ist ein „Noch-nicht!“ Was noch nicht fertig ist, noch nicht vollendet ist, ist notwendigerweise unvollkommen, fehlerhaft…
Evolution -Weiterentwicklung- ist notwendig von Katastrophen, von Schmerz, Krankheit und Tod begleitet. Wir nennen das „Geburtswehen“.
Die Welt ist also nicht absurd und sinnlos, nicht ein ewiges „Gehen im Kreis“, sondern diese Welt hat eine Ausrichtung und ein Ziel!
Durch alles Auf und Ab - durch alle Revolutionen, Höhen und Tiefen hindurch - durch die Zeiten des Fortschritts, des Wachsens, und des zeitweiligen Niedergangs, Stillstands, Rückfalls hindurch verwirklicht sich die große Geschichte der Welt, die auf ihr endgültiges und unausweichliches Ziel zugeht.
Und das Ende dieser Welt wird sein, dass dann sichtbar wird, wie sehr Christus schon immer drinnen war in allen Szenen dieser Welt!
Wenn das so stimmt, wären alle jene in der richtigen Spur, die etwas von dem, was zu Jesus Christus passt, drinnen haben in ihrem Leben und ihrem Herzen! Der Physik-Nobelpreisträger, Werner Heisenberg, + 1973, hat einmal gesagt: „Ich habe den Becher der Wissenschaft ausgetrunken bis auf den Grund. Am Grund dieses Bechers ist mir wieder Gott begegnet!“
Ich jedenfalls bin dankbar, dass ich ein so weites Gottesbild entdecken durfte und vor allem Jesus Christus - die Lebensenergie, die alles belebt, die Weiterentwicklung antreibt, alles voranbringt. Er ist für mich die Liebesenergie, die ständig neue Beziehungen herstellt, alles verbindet, versöhnt und eint.

Predigt zum 1. Fastenfreitag 2021

Jesus erweckt Lazarus von den Toten "Wer an mich glaubt, wird auf ewig nicht sterben"

Predigt zum Freitag nach Aschermittwoch, 19.02.2021

„WEGMARKIERUNGEN AUF DEM PILGERWEG UNSERES GLAUBENS“

„Ist Gott wirklich?“

Liebe Schwestern und Brüder auf dem Pilgerweg des Glaubens durch diese Fastenzeit!

Beim „Ausmisten“ meiner vielen Bücher, die sich im Laufe der Zeit angesammelt haben, bin ich auch auf ein Büchlein eines Mitbruders aus meiner Geburtsheimat im Salzkammergut gestoßen. Es trägt den Titel: Entscheidung für einen Glaubensweg. Das hat mich angeregt, daraus für diese Fastenzeit einige „Wegmarkungen für den Pilgerweg unseres Glaubens“ für uns zu übersetzen.

Wir alle wissen, nichts aus der Zukunft der Welt und des Lebens ist im Vorhinein klar. Wir werden geführt! Die ordnende und tragende Kraft ist der Glaube. Die Richtung für unser Handeln ist die Liebe. Die treibende Energie ist die Hoffnung!

Dass Ihnen der Glaube etwas bedeutet, beweist, dass Sie hierher in die Wallfahrt zum Gegeißelten Heiland gekommen sind. Trotzdem ist Ihnen klar, dass sich auch im Glauben viel verändert. Wir sehen heute manches anders, tiefer als frühere Generationen.

Deshalb in diesen Fastenpredigten einige Impulse für den Pilgerweg unseres Glaubens. Sie können diese Gedanken auch mit nach Hause nehmen und einige Impulsfragen persönlich beantworten oder beschreiben.

Es wäre ein großes Geschenk des Himmels, wenn Sie von diesen Fastenpredigten etwas mitnehmen können, was Ihnen hilft, guttut und Kostbares in Ihr Leben bringt.

Beginnen wir mit dem Thema: Ist Gott wirklich?

Der französische Dichter Albert Camus schildert in einer Erzählung die letzte Stunde eines zu Tode Verurteilten: Ein Priester sucht ihn auf und redet zu ihm von Gott- dass ihm Gott helfen werde- dass viele Menschen in seiner Lage sich ihm zugewendet haben….Der Geistliche redet und redet… vom Sterben, von der Hoffnung, von der Sünde…

Der zum Tod Verurteilte hört sich das einige Zeit an, bis er den Priester plötzlich zornig mit den Worten unterbricht: „Sie- es bleibt mir nur noch wenig Zeit zum Leben- und die will ich nicht mit Gott vertrödeln!“

-Ist Gott- der Glaube an ihn, die Verbindung mit ihm- das Überflüssigste und Unnötigste der Welt? Kann nur der, der viel Zeit hat, sein Leben damit vertrödeln
-Ist es egal, ob wir Menschen in Verbindung leben mit Gott oder nicht?
-Wird es mit der Welt besser, wenn die Menschen gott-los leben?
-Welchen Vorteil bringt es dem Menschen, die befreienden Botschaften des Glaubens nicht zu glauben?

Die großen Religionen sind nicht am Schreibtisch entstanden. Da haben sich nicht Leute etwas ausgedacht. Am Anfang jeder Religion waren Erfahrungen, tiefe Gotteserfahrungen. Diese Erfahrungen waren so tiefgreifend, weil den Menschen aufging:

Niemand hat in deinem Leben etwas Wesentliches zu sagen als nur allein die Macht, von der du stammst und der du dich verdankst als einmaliges Wesen der Menschheit. Beweisbar mit einem einzigen Fingerabdruck, den es kein zweites Mal gibt, und auch mit der ur- eigensten Geschichte, die von keinem anderen Menschen nachgemacht werden kann.  Mein Leben stammt von einer einzig wesentlichen Macht, die zu uns im Innersten spricht, nicht in fremden, von außen auferlegten Weisungen, sondern durch das, was zutiefst in uns selber liegt. Nur Gott kann uns auf eine Art befehlen, die uns nicht entfremdet, sondern uns entspricht. Nur Gott will von uns niemals etwas Anderes als das, wozu er uns gemacht hat. ( nach Eugen Drewermann )

Deshalb gilt grundsätzlich: „Die Geschichte Gottes mit dem Menschen ist keine Unterwerfungsgeschichte, sondern eine Berufungsgeschichte.“ ( Martin Schieske )

Der tschechische Priester und Dichter, Thomas Halik, schreibt: „Manche Menschen lehnen in Wirklichkeit nur eine bestimmte Vorstellung von Gott ab, die sie selbst geschaffen oder übernommen haben. Oft muss man solchen Menschen sagen: Ja, es ist gut, dass du solche Vorstellungen von Gott ablehnst. So ein Gott, den du ablehnst, existiert wirklich nicht. Das ist kein Gott, der es verdienen würde, dass man an ihn glaubt.“

Ein schwäbischer Pfarrer soll in der Nazizeit einmal gepredigt haben: „Lacha tät i, wenn des alles net wahr wär, was i predigt hab!“

Wie ginge es wohl mir, wenn ich am Ende meines Lebens erfahren müsste, dass nichts wahr ist von dem, was ich ein Leben lang geglaubt und verkündet habe?

Immer wieder komme ich zu dem Ergebnis: Selbst dann würde ich es nicht bereuen, geglaubt zu haben. Denn durch den Glauben ist Sinn in unzählige Szenen und Situationen meines Lebens gekommen. Ich durfte Menschen oft und oft ein Helfer sein und über weite Strecken meines Lebens war ein großer Friede tief in mir, weil ich an Gottes grenzenlose Liebe zu mir geglaubt habe.

Ich bin zutiefst überzeugt, dass ich ein Leben lang keinem Märchen nachgelaufen bin. Zu nachhaltig sind die Erfahrungen mit dem Glauben. Zu stark ist die Gewissheit in mir, dass Gott ist.

Fragen zum Nachdenken:
-Welche Gottesbilder sind in mir verwurzelt und bestimmen mein Glaubensleben?
-Sind sie geprägt von Angst, Zweifel und Misstrauen oder von Liebe, Hoffnung und Zuversicht?
-Konnte ich Menschen mit meiner Glaubensüberzeugung helfen oder war ich sprachlos, wenn ich nach meinem Glauben gefragt wurde?
-Wer oder was hat mir in meinem Glaubensleben geholfen?
-Weiß ich mich von Gott ge-/berufen? Wenn ja, warum? Wenn nein, warum nicht?

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